Jerusalem 12. Jun 2026

Pride-Marsch setzt Signal

Der diesjährige Pride-Marsch in Jerusalem entwickelte sich zu einer politischen Demonstration gegen die amtierende Regierung. Erstmals seit rund zehn Jahren führte die Route nicht durch die Innenstadt, sondern direkt zur Knesset. Unter dem Motto «Demanding Change» («Veränderung fordern») zogen rund 10 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Hauptstadt. Die Organisatoren des Jerusalem Open House begründeten die neue Route damit, dass Gleichberechtigung politische Entscheidungen und gesetzliche Veränderungen erfordere. Vor den erwarteten Parlamentswahlen im Herbst 2026 erhielt der Marsch eine deutlich politische Dimension. Teilnehmer trugen symbolische Wahlurnen und skandierten Parolen für Demokratie und gegen die Regierung von Premierminister Netanyahu. Zu den prominenten Gästen gehörte Oppositionsführer Yair Lapid. Die Vorsitzende des Jerusalem Open House, Hadas Blumental, erklärte, die Rechte sexueller Minderheiten seien Teil des grösseren Kampfes um den demokratischen Charakter Israels. Jerusalems Pride-Marsch unterscheidet sich traditionell vom deutlich grösseren und festlicheren Umzug in Tel Aviv. Wegen des konservativen und religiösen Charakters der Hauptstadt stehen hier politische und gesellschaftliche Fragen stärker im Vordergrund. Die Sicherheitsvorkehrungen blieben hoch. Seit dem tödlichen Messerangriff auf die 16-jährige Shira Banki im Jahr 2015 gilt die Veranstaltung als besonders gefährdet. Auch diesmal demonstrierten Anhänger der rechtsextremen Organisation Lehava gegen den Umzug.

Redaktion