Der Basler Judaist Alfred Bodenheimer ist neuer Hans-Blumenberg-Professor am Exzellenzcluster «Religion und Politik» der Universität Münster. Der Professor für Jüdische Literatur- und Religionsgeschichte und Leiter des Zentrums für Jüdische Studien der Universität Basel wird am 16. Juni mit einem öffentlichen Vortrag die Professur eröffnen. Unter dem Titel «Vorwärts in die Vergangenheit. Jüdische Selbstdefinitionen der Gegenwart im Klammergriff historischer Analogien» untersucht Bodenheimer die Rolle historischer und biblischer Bezüge für das heutige jüdische Selbstverständnis. Anlass für diese Überlegungen ist unter anderem der Beginn des Iran-Krieges Ende Februar, der mit dem Purimfest zusammenfiel. Die zeitliche Nähe habe insbesondere in Israel Vergleiche zwischen der biblischen Erzählung aus dem Buch Esther und aktuellen Ereignissen ausgelöst. Bodenheimer argumentiert, dass sich jüdisches Handeln in der Gegenwart häufig über die Wiederaufnahme historischer Erfahrungen und Vorbilder definiere. Die Vorstellung vom «ewigen Volk» könne zwar identitätsstiftend wirken, berge aber auch die Gefahr, heutige Entscheidungen in vorgezeichnete historische Muster einzubetten. Um die inneren Spannungen und Herausforderungen des Judentums der Gegenwart zu verstehen, müsse die Verbindung zwischen Geschichtsbewusstsein und der Rechtfertigung von Handlungen oder Unterlassungen genauer betrachtet werden. Der 1965 in Basel geborene Wissenschaftler lehrt seit 2003 an der Universität Basel. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen wurde er auch einem breiteren Publikum durch seine Kriminalromane um den Zürcher Rabbiner Gabriel Klein bekannt.
Alfred Bodenheimer
12. Jun 2026
Vorwärts
Emily Langloh