Henri Kagan 15. Okt 2026

Nobelpreis

Der französische jüdische Chemiker Henri Kagan ist mit 95 Jahren mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet worden. Der am 15. Dezember 1930 bei Paris geborene Wissenschaftler wird gemeinsam mit dem japanischen Forscher Kenso Soai für seine wegweisenden Entdeckungen zur sogenannten molekularen Chiralität geehrt. Dabei geht es um Moleküle, die wie die linke und rechte Hand spiegelbildlich aufgebaut sind, jedoch unterschiedliche Eigenschaften besitzen können. Besonders in der Medizin ist dies entscheidend: Während eine Variante eines Wirkstoffs die gewünschte Wirkung erzielt, kann die andere unerwünschte Nebenwirkungen verursachen. Kagan gilt als Pionier der asymmetrischen Katalyse. Bereits in den 1970er-Jahren entwickelte er Verfahren, mit denen sich gezielt bestimmte Molekülformen herstellen lassen. Seine Arbeiten eröffneten der pharmazeutischen Industrie neue Möglichkeiten, Medikamente präziser und effizienter herzustellen. In den 1980er-Jahren entdeckte er zudem, dass sich kleine Unterschiede zwischen spiegelbildlichen Molekülen während chemischer Reaktionen erheblich verstärken können. Kagan wuchs in einer jüdischen Familie auf, die sich während des Zweiten Weltkriegs unter falschen Namen in Südfrankreich versteckte. Nach seinem Studium in Paris machte er an der Universität Paris-Sud Karriere und erlangte internationale Anerkennung. Bereits 2001 erhielt er gemeinsam mit zwei weiteren Chemikern den israelischen Wolf-Preis. Dass er beim damaligen Chemie-Nobelpreis leer ausging, sorgte in Frankreich für Proteste. 25 Jahre später wird sein Lebenswerk nun mit der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung gewürdigt.

Emily Langloh