EUROPA 27. Mär 2026

Jüdische Einrichtungen im Visier

Seit Terroranschläge auf jüdische Einrichtungen in Europa zugenommen haben, hat auch Belgien die Sicherheitsmassnahmen im ganzen Land verstärkt.

Eine neue Terrorgruppe bekennt sich zu antisemitischen Anschlägen in Europa – die Hintergründe.

Zwei Minderjährige wurden im Zusammenhang mit einem Autobrand im jüdischen Viertel von Antwerpen festgenommen, der als antisemitischer Angriff behandelt wird, so die belgische Staatsanwaltschaft. Die beiden Verdächtigen wurden kurz vor Mitternacht am Montag festgenommen, nur wenige Minuten nachdem sie das Fahrzeug in Brand gesetzt hatten.

Die Staatsanwaltschaft teilt zudem mit, dass die Ermittlungen im Zusammenhang mit einem in den sozialen Medien kursierenden Video stehen, in dem eine Gruppe, die sich Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya (HAYI) nennt, die Verantwortung für den Anschlag übernimmt – den jüngsten in einer Reihe ähnlicher Vorfälle in ganz Europa.

Wer steckt hinter den Anschlägen?
Die Gruppe, deren Name grob übersetzt «Die islamische Bewegung der Menschen der rechten Hand» bedeutet, war bis Anfang dieses Monats unbekannt, als sie die Verantwortung für den Brandanschlag auf eine Synagoge in Lüttich, Belgien, am 9. März übernahm.

Sicherheitsexperten wissen wenig über die Gruppe und können ihre Legitimität nicht bestätigen. Bis zum 24. März hat HAYI oder wer bisher behauptet, in ihrem Namen zu sprechen, jedoch die Verantwortung für die folgenden Anschläge übernommen: auf eine Synagoge in Rotterdam am 13. März, auf eine jüdische Schule in Amsterdam ebenfalls am 13. März, eine Reihe von Brandanschlägen auf den jüdischen Rettungsdienst in London am 22. März, einen verhinderten Anschlag auf eine Chabad-Hebräischschule in Heemstede, Niederlande, am Montag sowie den Autobrand am Montag in Antwerpen. Bei keinem der Anschläge gab es Verletzte. Bei allen Festnahmen im Zusammenhang mit den Anschlägen handelte es sich bislang um junge Erwachsene oder Jugendliche.

Undeutliche Verbindungen zum Iran
Obwohl Informationen rar sind, sagen einige Analysten, die Gruppe könnte mit proiranischen Milizen verbunden sein, die in Europa vor Ort präsent sind und als Deckmantel für ihre Aktivitäten dienen. Angriffe auf jüdische Einrichtungen in den Vereinigten Staaten, Europa und Kanada haben seit dem 28. Februar zugenommen, als die Vereinigten Staaten und Israel ihren Krieg gegen den Iran begannen. Doch einige Unstimmigkeiten in den Botschaften und Taktiken der Gruppe haben Fragen hinsichtlich ihrer Legitimität als eine vom Iran unterstützte Gruppe aufgeworfen.

In einem Video, das auf proiranischen Telegram-Konten verbreitet wurde, behauptete die Gruppe, am 11. März einen Anschlag auf ein nicht näher bezeichnetes «zionistisches Ziel» in Griechenland verübt zu haben. Eine Analyse legt nahe, dass es ich bei diesem Video um gezielte Desinformation handeln könnte.

Internationale Ziele
Eine Analyse des International Centre for Counter-Terrorism (ICCT) beschrieb Unstimmigkeiten, darunter einen Tippfehler in der Schreibweise des arabischen Namens der Gruppe und Bilder von Waffen in deren Logo, die nicht mit proiranischen Darstellungen übereinstimmten. Doch die Profile der Täter – jung und aus dem lokalen Umfeld – stimmten mit iranischen Taktiken überein, darunter die Ausnutzung schutzbedürftiger Jugendlicher und möglicherweise deren Bezahlung für ihre Einsätze. Eine weitere mögliche Erklärung, sei, dass junge Einheimische infolge der sich vertiefenden Verbindungen zwischen Terrorgruppen und lokalen kriminellen Organisationen in die Anschläge verwickelt wurden.

Behörden in den Niederlanden glauben, dass HAYI möglicherweise auch für eine kürzlich erfolgte Explosion in einer Amsterdamer Filiale einer US-amerikanischen Bank verantwortlich ist. Ein angeblich von der Gruppe stammendes Video warnte Menschen in der Europäischen Union, sich «sofort von allen amerikanischen und zionistischen Interessen, Einrichtungen und allem, was mit ihnen in Verbindung steht, zu distanzieren», bevor Aufnahmen von improvisierten Sprengvorrichtungen zu sehen waren, die am Sonntag vor der Bank of New York Mellon detonierten. Bei der Explosion wurde niemand verletzt.

CBS News berichtete, dass der Sender am Montag eine ähnliche Nachricht von der Gruppe erhalten habe. «Wir werden weiterhin US-amerikanische und israelische Interessen weltweit bedrohen, bis wir den Tod jedes Kindes in Gaza, im Iran, im Libanon und in den Widerstandsnationen gerächt haben». Wenige Stunden später bekannte sich die Gruppe zu dem Anschlag in Antwerpen. Nur wenige Tage zuvor hatte Belgien angekündigt, die Sicherheitsvorkehrungen an jüdischen Stätten aufgrund der erhöhten Sicherheitsbedrohung zu verstärken.

Bekanntes oder neues Terrornetzwerk?
In einem Interview mit «The Independent» bezweifelte Hans-Jacob Schindler, leitender Direktor des in New York und Berlin ansässigen Counter Extremism Project, dass es sich bei HAYI um eine neue Terrorgruppe handele. «Ob die Täter miteinander in Verbindung stehen oder ob es sich um einen Rahmen handelt, den ihnen die Islamische Revolutionsgarde vorgibt, steht zur Diskussion (…). Es ist viel wirkungsvoller, zu behaupten, dass eine neue Terrorgruppe existiert, aber angesichts der Tatsache, dass sie sich zu fünf Anschlägen in vier Ländern bekannt haben, ist es unwahrscheinlich, dass eine neue Gruppe in der Lage wäre, ein solches Netzwerk innerhalb weniger Wochen aufzubauen. (...) Diese Akteure werden alles veröffentlichen, was sie können, um zu suggerieren, dass Europa sehr, sehr unsicher geworden ist.»

Jackie Hajdenberg