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BUDAPEST

Kritik an Rabbiner wegen Interview mit rechtsextremer Website

16. März 2017
Zoltan Radnoti gewährte der Alfahir-Website ein umfassendes Gespräch.

Zoltan Radnoti, Vorsitzender des rabbinischen Rats der jüdischen Dachorganisation Mazsihisz in Ungarn, ist ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, nachdem er der Nachrichten-Website Alfahir, die weitgehend mit der rechtsextremen Jobbik-Partei identifiziert wird, ein umfassendes Interview über die Bedeutung der ungarisch-jüdischen Identität gewährt hat. Das Interview folgte auf zwei unübliche Gesten des Jobbik-Vorsitzenden Gabor Vona im Rahmen von Bemühungen der Partei, von der ungarischen Gesellschaft mehr respektiert zu werden. Moshe Kantor, Präsident des Europäisch-Jüdischen Kongress, hatte Jobbik als Neo-nazistische Partei abgestempelt. Im Dezember hatte Vona der Dachorganisation und anderen jüdischen Gruppen Festtagswünsche zu Chanukka übermittelt, und einen Monat darauf erklärte er, seine Partei würde aufhören, Israels als zu kritisierende Einheit hervorzuheben. Jobbik-Aktivisten pflegen sehr oft Juden, Israel und den Zionismus anzugreifen. Gegenüber Agentiren erklärte Rabbi Radnoti, er habe sich angesichts von Vonas Gesten entschieden, das Interview zu geben. «Wir müssen unsere eigenen Reservationen überwinden», sagte er, «und müssen eher erklären, wer wir sind, als vorzugeben, sie würden nicht existieren.» Die jüdisch-ungarische Wochenzeitung Szombat warf allerdings in einem Artikel dem Rabbiner vor, mit dem Interview «Jobbik einen Koscherstempel verpasst zu  haben». Radnoti bestand aber darauf, dass sein Gespräch mit der Zuwilligung von anderen Mitgliedern der Gemeinde stattgefunden habe. Zudem sei er nicht als offizieller Repräsentant der Dachorganisation aufgetreten sondern als Rabbiner. Die Dachorganisation hielt fest, dass Radnoti das Interview in seiner eigenen Verantwortung gewährt habe und dass der Entscheid nicht die Position der Föderation repräsentiere. [TA]





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