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JERUSALEM

Kommt es wieder zum Religionskrieg?

13. September 2017
Oberstes Gericht annulliert Gesetz zur Befreiung Ultra-Orthodoxer vom Militärdienst.
Das Oberste Gericht Israels in Jerusalem.

Am Dienstagabend annullierte der neunköpfige Oberste israelische Gerichtshof das Gesetz, welches die Befreiung ultra-orthodoxer Juden vom obligatorischen Armeedienst für die Zeit regulieren sollte, in der die betreffenden Person für religiöse Studien an einer Jeschiwa (Talmud-Hochschule) eingeschrieben sind. Laut Gerichtsbeschluss wird das Urteil innert einem Jahr wirksam werden. Mit 8:1 stimmte das Gericht unter Vorsitz der scheidenden Gerichtspräsidentin Miriam Naor für die Annullierung. Die Mehrheit der Richter stimmte der Position der Petitionäre zu, dass das Gesetz die Ungleichheit perpetuiere zwischen säkularen Jugendlichen, die in die Armee eintreten müssen und der von diesem Schritt befreiten religiösen Jugend. Der Knessetabgeordnete Menachem Eliezer Moses (Vereinigtes Torajudentum) sagte: «Das Oberste Gericht beweist ein Mal mehr, wie sehr es abgeschnitten ist von jüdischer Tradition, und wie tief sein Hass ist für alles, was Jenen teuer ist, die Tora studieren und den Wächtern über die Religion.» Auch Innenminister Arie Deri (Shas) kritisierte den Gerichtsbeschluss in scharfen Worten, während der Abgeordnete Yair Lapid (Zukunftspartei) den Richtern zu ihrem Mut gratulierte. – Angesichts der ultimativen Reaktionen im ultra-orthodoxen Lager auf die Annullierung des Gesetzes kann nichrt ausgeschlossen werden, dass der innerisraelische Religionskrieg vor einer neuen Runde szteht, vielleicht noch vor Rosch Haschana. Langfristig könnte die charedische Welt Israels jetzt versucht sein,  eine Koalitionskrise vom Zaune zu brechen. Das ist allerdings ein zweischneidiges Schwert, müssten die Ultra-Orthodoxen sich dann vielleicht mit dem Gedanken anfreunden, mit Lapids Zukunftspartei die Regierungsbank zu teilen – bis jetzt ein rotes Tuch für die Ultras. [JU]





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