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USA-ISRAEL

Israel will Terror-Teen nicht ausliefern

24. April 2017
Mitte März hat die israelische Polizei einen 18-Jährigen verhaftet, der für Hunderte Bombendrohungen gegen jüdische Institutionen in Nordamerika verantwortlich sein soll. Am Wochenende gab die Regierung in Jerusalem bekannt, dass der jugendliche Computer-Hacker nicht in die USA ausgeliefert wird.

Das israelische Justizministerium hat gestern Sonntag die Auslieferung des 18-jährigen Michael Ron David Kadar in die USA abgelehnt. Dieser war Mitte März auch mit Hilfe von FBI-Experten in Aschkelon als mutmasslicher Urheber einer Serie von Attentatsdrohungen gegen jüdische Institutionen in Nordamerika verhaftet worden (http://forward.com/fast-forward/369777/israel-denies-extradition-request-for-teen-in-jcc-bomb-threats/). Kadar soll derartige Drohungen auch in Israel und acht weiteren Ländern platziert haben. Laut israelischen Pressemeldungen will ihn die dortige Staatsanwaltschaft der Erpressung, der Auslösung von Massenpanik und der Geldwäsche anklagen. Im Umgang mit Computern geschickt, hat Kadar anscheinend auch illegale Geschäfte mit der Internet-Währung Bitcoin betrieben und versucht, amerikanische Politiker zu erpressen. In den USA wird er wegen insgesamt 245 Drohanrufe bei jüdischen Institutionen angeklagt (http://www.haaretz.com/us-news/1.784921). Die US-Justiz hatte seine Auslieferung bald nach der Verhaftung beantragt und hält weiterhin daran fest. Angeblich hat die israelische Weigerung nun aber keine diplomatischen Spannungen ausgelöst. Die letzte Welle von Bombendrohungen bei jüdischen Institutionen in den USA und Kanada war an Purim bei mindestens sieben Gemeindezentren eingegangen. Kurz darauf zeigten die fieberhaften Ermittlungen des FBI endlich Erfolg. In Zusammenarbeit mit der israelischen Spezialeinheit «Lahav 433» machte die amerikanische Bundespolizei Kadar im südisraelischen Aschkelon als Täter aus. Die israelische Polizei hat in der Wohnung des Doppelbürgers mit israelischem und amerikanischen Pass leistungsfähige Geräte für die Manipulation und Codierung von Telefonanrufen, sowie eine starke Antenne sichergestellt. Kadar soll bereits zwei Jahre lang anonyme Drohungen ausgesandt haben. Aber erst durch die Entsendung der FBI-Agenten erhielten die Ermittlungen in den USA und Israel eine zielfördernde Priorität. Seit dem 9. Januar waren an acht Wellen anonymer Telefonanrufe Bombendrohungen bei jüdischen Gemeindezentren, Schulen und Organisationen wie der ADL eingegangen. Die Anrufe führten stets zu der Räumung von Gebäuden und sorgten zu Ängsten nicht nur in jüdischen Gemeinden. Die Anrufe wurden weithin als Ergebnis der Wahl von Donald Trump wahrgenommen und verurteilt. Seither nehmen Gewaltakte gegen Muslime und Immigranten deutlich zu. Neben den Anrufen kam es vielerorts in den USA zu Hakenkreuz-Schmierereien und der Schändung jüdischer Friedhöfe. AM

 

 

 





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