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USA-POLITIK

Fake-Anruf von «Bernie Bernstein»

15. November 2017
Der republikanische Senats-Kandidat Roy Moore in Alabama kommt aufgrund von Missbrauchsvorwürfen weiter unter Druck aus der Partei. Nun überlegt sogar Moores Verbündeter Steve Bannon einen Bruch mit dem fundamentalistischen Christen. Die Affäre gewinnt aber auch bizarre Züge.


Wie zuerst von der TV-Station WKRG in Alabama vermeldet, hat dort eine Kampagne mit automatischen Anrufen begonnen. Dabei meldet sich ein junger Mann als «Bernie Bernstein» und gibt sich als Reporter der «Washington Post» aus. Dann bietet «Bernstein» für «schädliche Informationen» über Roy Moore fünf- bis siebentausend Dollar (Link ).

Der 70-jährige Moore hat bekanntlich die republikanischen Vorwahlen für ein offenes Senats-Mandat in Alabama gewonnen und galt gegen den Demokraten Doug Jones als Favorit für die Entscheidung am 12. Dezember. Doch vor wenigen Tagen hat die «Post» brutale Annäherungsversuche und Flirts von Moore mit Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren enthüllt. Die Vorfälle haben sich in den 1970er Jahren ereignet. Inzwischen hat sich eine weitere Betroffene gemeldet und diverse Medien berichten, Moore sei seinerzeit als junger Staatsanwalt derart durch Aufdringlichkeiten gegenüber Teenagerinnen aufgefallen, dass er Hausverbot in einem Einkaufs-Zentrum erhalten habe.

Die Affäre hat die republikanischen Fraktionsführungen im Kongress zu einem klaren Bruch mit Moore bewegt. Im Senat forderte Mitch McConnell den pensionierten Richter zur Aufgabe seiner Kandidatur auf. Moore weigert sich und kündigt das baldige Ende von McConnell als Fraktionschef an.

Die Post hat umgehend erklärt, bei den antisemitisch gefärbten Bernstein-Anrufen handle es sich um Fälschungen. Der Name ist selbstverständlich aus der Watergate-Affäre bekannt, die ein junger Journalist namens Carl Bernstein mit offengelegt hat. Moore hatte die Geschichte über ihn selbst umgehend als «Fake News» und bezahlte Kampagne der Zeitung bezeichnet. Falls die «Robo Calls» als Beleg für diese steile These dienen sollten, sind sie angesichts der bisherigen Reaktionen ein Schlag ins Wasser.

Gleichzeitig überlegt Steve Bannon angeblich, ob er Moore weiterhin unterstützen soll. Bannon hatte Moore als Vorreiter einer Revolte prinzipientreuer Nationalisten gegen das korrupte Establishment in Washington gepriesen. Nach den Enthüllungen hatte Bannon der Post ebenfalls eine Lügenkampagne vorgeworfen. Doch nun scheint die Fülle der belastenden Informationen über Moore ein Umdenken bei Bannon auszulösen. Der ex-Berater von Donald Trump weilt derzeit jedoch in Japan und kommt erst am Wochenende zurück in die USA, was ihm Bedenkzeit gibt (Link).

Bedeutsamer dürfte die Haltung Trumps sein. Bei den Vorwahlen in Alabama hatte der Präsident den Konkurrenten von Moore unterstützt. Doch nach dessen Erfolg hatte Trump den fundamentalistischen Christen beglückwünscht und als Gesinnungsgenossen bezeichnet. Gleichzeitig wirbt Trump seit seiner Präsidentschafts-Kandidatur systematisch um die Unterstützung weisser Evangelikaler, die deshalb einen wichtigen Block seiner Basis bilden. Er dürfte daher vor einer klaren Distanzierung von Moore zurückscheuen (Link). 

Die ganze Affäre hat mit den Bernstein-Anrufen aber auch lächerliche Züge gewonnen. So erklärte der «New York Times»-Journalist John Schwartz auf Twitter, der Name «Bernie Bernstein» so doch offenkundig «fake» – viel glaubwürdiger wäre der Name «Jewy McJewface» gewesen (Link). [AM]





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