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JERUSALEM

Der Premierminister geht zum Gegenangriff über

9. August 2017
Netanyahu: «Ich werde nicht gestürzt, ich habe nichts zu fürchten.»

Seitdem Ari Harow, der ehemalige Stabschef von Premier Netanyahu, als Kronzeuge der Anklage in diversen Korruptionsfälle unterschrieben hat, hat das Spekulationskarrussel begonnen, sich immer rascher zu drehen. Nun ist der sichtlich unter Druck geratene Netanyahu zum Gegenangriff übergegangen. Laut einem israelischen Radiobericht griff er in privaten Unterhaltungen mit Knessetabgeordneten die Presse an, die Opposition, aber auch Mitglieder seiner eigenen Likud-Partei, die er beschuldigte, gegen ihn konspirativ tätig zu sein. Die gegen ihn in letzter Zeit auch von der Polizei erhobenen kriminellen Verdachtsmomente (an erster Stelle den Verdacht der Bestechung und des Betrugs) und die Furcht, oder ja nach Parteizugehörigkeit die Hoffnung auf sein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt weist Netanyahu wiederholt in Bausch und Bogen zurück. «Sie versuchen, mich zu bekommen und die Rechte zu stürzen», sagte er laut dem Bericht am Montag gegenüber hohen Offiziellen in seiner Koalition. «Da ist nichts Neues, das haben sie schon seit vielen Jahren versucht. Ich sehe keine vorgezogenen Neuwahlen auf uns zukommen.» Er werde kaum morgen gehen und sich durch Andere ersetzen lassen. «Ich weiss nicht, was sie von mir wollen. Ich habe nichts zu fürchten und ich denke, kein Problem zu  haben.» So lange wie Netanyahu nicht konkret angeklagt oder schuldig gesprochen wird, gilt er laut allgemeiner Usanz als unschuldig. Dennoch kann nicht geleugnet werden, dass man zusehends Mühe bekundet, den forschen Unschuldsbeteuerungen des Premiers unbesehen zu glauben. Möglicherweise gilt auch hier das altbekannte Sprichwort vom Krug, der so lange zum Brunnen geht bis er bricht. Allerdings dürften Diejenigen enttäuscht werden, die mit einem Ende der Affäre «knall, fall» rechnen. Nach Ansicht von Leuten, die eng liiert sind mit den Untersuchungen kann es Wochen wenn nicht sogar Monate dauern, bis die Untersuchungen gegen Premier Netanyahu ihr Ende finden werden – so oder so. Und inzwischen gerät die Qualität der politischen Führung in Israel immer stärker auf die schiefe Ebene. Der Likud will diesem Trend offensichtlich entgegenwirken, hat er doch für heute Mittwoch eine grosse Sympathiekundgebung für Regierungschef Netanyahu organisiert. [JU]





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