Stetige Werbung um jüdische Wähler
Alle paar Tage sendet das Wahlkampfhauptquartier von Barack Obama in Chicago Emails an jüdische Aktivisten und Sympathisanten aus. Als Absender zeichnen jüdische Mitarbeiter des Präsidenten wie sein langjähriger Berater und Mentor David Axelrod, oder der für die Beziehungen Obamas zu der amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft verantwortliche Ira Forman. Axelrod hat jüngst ein siebenminütiges Video verschickt, welches das «unverbrüchliche Band zwischen Israel und den USA» mit Redeausschnitten und Bildern Obamas in Israel beschwört. Zudem führt das Video Zitate aus konservativen Publikationen wie dem Wall Street Journal an, um die Tatsache zu unterstreichen, dass die USA Israel nie zuvor stärker militärisch unterstützt haben, als unter Obamas Präsidentschaft. Dass Israel keinen besseren Freund als Obama kennt, betonen auch eine Reihe israelischer Staatsmänner wie Präsident Shimon Peres und Verteidigungsminister Ehud Barak. Selbst Premier Binyamin Nethanyahu kommt in einem alten Nachrichten-Clip mit lobenden Worten für Obama zu Wort.
Der Palästina-Konflikt spielt dagegen keine Rolle in dem Video. Dies gilt auch für die von Ira Forman am Wochenende ausgesandte Mail. Der ex-Mitarbeiter von Bill Clinton und langjährige Geschäftsführer des «National Jewish Democratic Council» hebt stattdessen die enge Sicherheitsallianz der USA und Israels und die harte Haltung Washingtons gegenüber dem Iran in der Atomfrage hervor.
Dies hindert konservative Stimmen nicht an Attacken auf Obama in Sachen Israel. Die Washington Post-Kolumnistin Jennifer Rubin zitiert eine neue Videoanzeige der «Republican Jewish Coalition», die aus einer minimalen Kürzung der Mittel für israelische Raketenabwehrsysteme im Haushaltsentwurf Obamas für das Jahr 2013 die Idee ableitet, der Präsident wolle den jüdischen Staat in Zeiten grösster Gefahr im Stich lassen. Rubin blendet aus, dass Obama den US-Kongress vor zwei Jahren veranlasst hat, erstmals 205 Millionen Dollar für die Unterstützung des israelischen Raketenabwehrsystems «Iron Dome» zu freizugeben.
Diese Vorgänge demonstrieren einmal mehr, dass es den Republikanern kaum gelingen wird, Obama als falschen Freund Israels hinzustellen. Gleichzeitig dürfte der Präsident in diesem Jahr keine Anstrengungen mehr unternehmen, den Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern wiederzubeleben. Ob dies langfristig im Interesse des jüdischen Staates und der weiteren Region liegt, darf bezweifelt werden. [AM]
Das Video im Internet: https://my.barackobama.com/page/share/america-and-israel

