23. Juli 2010, 10. Jahrgang, Ausgabe 29
 

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Frage der Woche 29

Vor 100 Jahren wurde der erste Kibbuz in Israel gegründet.






29. Februar 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 9, tachles

Eine Mischung aus Europa und Israel

Rubrik: Kultur

 

Yael Naim Überrascht die Muskwelt mit erfrischendem neuen

Die israelische Sängerin Yael Naim ist in aller Ohr. Mit dem Song «New Soul» landete sie einen Hit, mit dem Apple-Chef Steve Jobs seine neue Werbekampagne für MacBook Air lancierte. Nun kommt das Ganze Album von Naim auf den Markt. Über ihre Musik und ihre Pläne sprach sie mit tachles.

tachles: Ihr Song heisst «New Soul». Was bedeutet neuer Soul?

Yael Naim: Der Name stammt daher, dass mir nach einigen Jahren des Nachdenkens und der von mir gemachten Erfahrungen klar wurde, dass ich dadurch eine neue Seele geworden bin. Man hat immer viel zu lernen, und es war eigentlich das erste Lied, das ich als Erwachsene gemacht habe.

Vielleicht steht der Song auch für verschiedene Seelen und Geschichten, also die israelische, französische und vielleicht sogar tunesische, die in Ihnen wohnen?

Das habe ich nicht damit gemeint, als ich das Lied schrieb. Es geht mir mehr darum, dass man in die Welt kommt, viele Erfahrungen zu machen hat und zu jenem Menschen wird, der man ist. Bei manchen Menschen kann man fühlen, dass sie eine sehr erfahrene, weise und sozusagen alte Seele haben. Gleichzeitig weiss man, dass diese Erfahrung und Weisheit nicht aus ihrem aktuellen Leben stammen kann. Ich weiss nicht, ob es die Reinkarnation tatsächlich gibt, aber als ich das Lied schrieb, habe ich viel mit einer Freundin gesprochen, die daran glaubt und immer wieder auf das Karma zu reden kam.

Mittlerweile steht Ihr Lied aber wohl mehr für Apple Macintosh als für Karma. Was empfinden Sie beim Gedanken, dass es für die Werbekampagne für das neue MacBook Air ausgewählt wurde?

Ich war überrascht und glücklich, denn Text und Melodie haben dadurch eine grosse Anerkennung erhalten. Darüber freue ich mich natürlich. Ausserdem hilft uns diese starke Kampagne, das Album überall auf der Welt bekannt zu machen. Dabei haben wir es bei mir zu Hause und lediglich mit einem Computer über lange Zeit aufgenommen, ohne Absicht oder sogar Hoffnung, es herauszubringen. Was seither geschehen ist, ist für uns also ein mehr als glücklicher Umstand.

Sie haben das Album in Ihrer Pariser Wohnung eingespielt. Weshalb?

In Paris habe ich 2001 ein Album auf herkömmliche Weise aufgenommen: mit grossem Aufwand und Budget, in einem grossen Studio und mit grossen Erwartungen. Alles war gross. Ich wollte diesen Druck nicht mehr. Mein Traum vom Musikmachen ging doch viel mehr dahin, es unabhängig und in einer wirklich starken Zusammenarbeit mit anderen Musikern zu machen. Natürlich träumt man auch davon, dass die Leute diese Musik dann mögen. Aber man träumt nicht von dem ganzen System, das sich darum herumrankt. 2004 traf ich David Donatien, der in den 15 Jahren zuvor die gleichen frustrierenden Erfahrungen wie ich gemacht und in grossen Produktionen mit vielen Künstlern gearbeitet hatte. Er bestärkte mich im Glauben, zurückgezogen und zu Hause Musik zu machen; er half mir, aus meinen vielen Liedern die richtigen für Demos auszusuchen und in die richtige Richtung zu gehen. Und er sagte mir, dass meine zehn hebräischen Lieder die ehrlichsten seien. So haben wir gemeinsam bei mir zu Hause mit den Aufnahmen begonnen, und je länger wir es taten, desto mehr gefiel es uns, desto mehr lernten wir, es noch besser zu machen.

Also ist auf diesem Album wirklich Ihre Musik, ohne Einflüsse einer Produktionsgesellschaft?

Ja. Es gab nur David und mich, und es dauerte zweieinhalb Jahre, bis wir das Album aufgenommen hatten. Wir waren zufrieden damit, zu wissen, dass das Album einfach irgendwie existierte. Wir haben es gemeinsam gemacht, und obwohl mein Name nun im Vordergrund steht, ist es mir wichtig, dass die Leute wissen, dass es unser beider Projekt und Werk ist.

Sie sind in Israel aufgewachsen, leben nun aber in Paris. Weshalb haben Sie sich für den Wechsel nach Europa entschlossen?

Das geschah eher zufällig. Ich kam mit 21 Jahren nach Paris, um bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung zu singen. Im Publikum waren Produzenten, die mich gleich unter Vertrag nahmen. So machte ich das erste Album in Paris und erhielt mehr und mehr Angebote für Zusammenarbeiten und Tourneen. Deshalb bin ich geblieben.

Gibt es neben den hebräischen Texten auf dem Album israelische Einflüsse in Ihrer Musik?

Nicht wirklich. Ich habe mich mit typisch israelischer Musik nie auseinandergesetzt, auch wenn ich das eine oder andere davon mag. Für mich waren die Beatles, Joni Mitchell oder Björk wichtiger, deren Lieder rundum vollkommen sind.

Wird das Album in Israel erscheinen?

Ich hoffe es! Wir haben noch keinen Vertrag abgeschlossen.

Wenn man über Sie liest, werden Sie immer als «die israelische Sängerin» bezeichnet. Aber eigentlich sind Sie mehr eine europäische Sängerin, oder nicht?

Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Ich bin ja im Alter von vier Jahren nach Israel gekommen, aber seit acht Jahren spielt sich mein Leben in Paris und Europa ab. Die Stücke auf dem neuen Album sind Folk Music, aber sie sind zum Teil in Hebräisch gesungen. Es ist eine Mischung zwischen Europa und Israel.

Ihre Eltern stammen aus Tunesien und sind vor vielen Jahren nach Frankreich und dann nach Israel eingewandert. Prägt dieser Hintergrund?

Ich kann das nicht wirklich beurteilen. Ich war nie in Tunesien. Meine Kindheit und Jugend waren stark von der israelischen Umgebung geprägt, von Tel Aviv und seinen Menschen. Das bedeutet mir etwas, damit kann ich mich identifizieren. Ich weiss, dass ich tunesische Wurzeln habe und dass ich jüdisch bin. Religion finde ich zwar ein interessantes Thema, aber sie gehört nicht zu meinem täglichen Leben. In der Musik trifft man ständig so viele verschiedene Menschen von überall, dass solche abstrakten Dinge weniger wichtig werden als zum Beispiel die Sprache.

In Frankreich ist Ihr Album ein grosser Erfolg. Was planen Sie nun?

Wir treten in Europa und danach in den USA auf, wo das Album am 8. März erscheinen wird. Im April touren wir in Frankreich, und auch zuvor und danach werden wir viel reisen, auftreten und unser Album vorstellen.

Sie geben derzeit viele Interviews. Werden Sie oft auf die politische Situation in Israel angesprochen?

Die israelische Situation ist wirklich komplex, und wie viele andere Länder in komplexen Situationen ist es für Israel nicht leicht, eine gewaltfreie Lösung zu finden. Aber es ist immer einfach, mit dem Finger darauf zu zeigen, wenn man ausserhalb steht. Politik ist nicht meine Domäne. Ich träume einfach vom Tag, an dem die Menschen Lösungen finden werden, ohne sich gegenseitig umzubringen. Persönlich bin ich in einem Lernprozess, indem ich so viel wie möglich mit ganz unterschiedlichen Leuten darüber diskutiere. Vor allem interessieren mich Menschen, die sich für eine friedliche Annäherung zwischen Israeli und Palästinensern einsetzen, quasi für den Weg Mahatma Gandhis. Ich hoffe wirklich, dass wir einmal Führer haben werden, die diesen Weg gehen und fähig sind, Lösungen zu finden. Ich habe sie leider nicht.

Interview: Yves Kugelmann