Gründung steht kurz bevor
Am 15. Mai wird in Bern offiziell der Rat der Religionen gegründet. Er soll vor allem auf Bundesebene ein Ansprechpartner bei ethisch-religiösen Fragen sein.
Kurz vor Beginn des Irak-Krieges im Jahr 2003 ist sie entstanden, die Idee, einen Rat der Religionen zu gründen. Vertreter der Reformierten, der Katholiken, der Juden und der Muslime hatten sich im Berner Münster zu einem interreligiösen Friedensgebet getroffen (vgl. tachles 27/04 und siehe Bild), wobei der Wunsch entstanden war, solche interreligiöse Treffen auf nationaler Ebene zu institutionalisieren. «Bis heute bestanden interreligiöse Treffen auf nationaler Ebene nur aus bilateralen Gesprächen, künftig wird der Austausch multilateral sein. Dies ist weltweit wohl einmalig», sagt Alfred Donath, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), zu tachles. Donath vertritt sowohl die Juden des SIG als auch jene der Plattform der liberalen Juden der Schweiz und war zusammen mit Thomas Wipf, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, die treibende Kraft hinter dieser Idee. Nebst Donath und Wipf werden von katholischer Seite Bischof Kurt Koch, Vizepräsident der Schweizerischen Bischofskonferenz, und Fritz-René Müller, Bischof der christkatholischen Kirche, im Rat, der übrigens ausschliesslich aus Männern besteht, sitzen. «Von muslimischer Seite stellte sich anfangs das Problem, wer die heterogene Religionsgruppe vertreten soll», so Donath.
Homogene Muslime
Die Muslime in der Schweiz sind in mehr als 60 Verbänden organisiert und unterscheiden sich auch nach Herkunftsland, Kanton, in dem sie wohnen, und religiöser Untergruppe. Schliesslich einigte man sich auf zwei Vertreter, zum einen auf Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz, und zum anderen auf Digo Hisham Maizar, den Präsidenten des Dachverbandes Islamischer Gemeinden Ostschweiz/Liechtenstein.
Diverse Fragestellungen
Nach vielen Gesprächen untereinander und mit Bundesratsvertretern über Sinn und Zweck des Rates wird dieser nun am 15. Mai in Bern offiziell gegründet. «Das Hauptziel des Rates der Religionen ist die Bewahrung und Förderung des interreligiösen Friedens in der Schweiz», erklärt Donath. Zudem sollen sich die Religionen untereinander besser kennen und verstehen lernen und diesen Austausch mit Empfehlungen auch an die Basis, das heisst die Schweizer Bevölkerung, weitergeben. Zudem soll der Rat als Ansprechpartner des Bundes bei religiösen und ethischen Fragen fungieren. Zurzeit sind nur die drei monotheistischen Religionen im Rat vertreten. Mittelfristig soll aber die Öffnung auch gegenüber anderen Religionsgruppen wie den Buddhisten, den Hindus oder den Sikhs ein Thema sein, wie Donath bestätigt. Und wie Thomas Wipf in einem früheren Interview gegenüber tachles festhielt, wird sich der Rat mit solch wichtigen Fragen wie jener zur Ausbildung islamischer Geistlicher hierzulande oder zum Umgang mit religiösen Symbolen im Alltag befassen. Zudem soll auch das Thema der Integration von Muslimen oder die Schächtdebatte Platz für Diskussionen im Rat finden, der sich laut Beteiligten keinesfalls um heikle Themen drücken will.
Dania Zafran

